Geschichte

Geschichte der Kloster- und Wallfahrtsstätte Beselich

Das „Kloster zur allerheiligsten Jungfrau Maria und den Heiligen Aposteln Petrus und Paulus der Prämonstratenser-Chorfrauen zu Beselich“ wurde, nach den urkundlichen Quellen zu urteilen, vom Kloster Arnstein um das Jahr 1170 auf dem Beselicher Kopf eingerichtet und nicht von Gaugraf Ludwig III., wie Georg Wager in seinem Buch anführt.


Den Anstoß dazu gab aber der Priester Gottfried von Beselich. Dieser Priester hatte auf dem Beselicher Kopf, anstelle einer bereits seit längerer Zeit bestandenen kleinen Kirche, eine dem hl. Ägidius, einem im Mittelalter hochverehrten Heiligen, geweihte Kirche errichtet (eine Basilika, von der sich der Name Beselich ableitet). Er dotierte sie noch mit seinem zehntfreien Hof und vermachte sie dem Kloster Arnstein an der Lahn mit der Verpflichtung zur Klostergründung.


Im Jahre 1163 bestätigte Erzbischof Hillin von Trier in einer Urkunde die Schenkung, die in die Zeit von König Konrad III. und Papst Innozenz II. (also der Zeitraum zwischen 1138 und 1143) zu datieren ist.


Von Arnstein aus wurde auf dem Beselicher Kopf ein Frauenkloster des Prämon-stratenserinnenordens gegründet. Und wie bei Frauenklöstern der damaligen Zeit üblich, wurde das Kloster Beselich dem Abt des Mutterklosters (im Falle von Beselich war dies das Kloster Arnstein) unterstellt.


Dieses so genannte Filitiationsprinzip bedeutete, dass im Beselicher Kloster zwar eine Vorsteherin, Meisterin genannt, gewählt werden durfte, diese aber bei wichtigen Entscheidungen beim jeweiligen Abt von Arnstein um Rat fragen und um Genehmigung nachsuchen musste. Im Kloster Beselich selbst wurde der Abt durch einen Prior vertreten, der den Nonnen den Gottesdienst hielt und der Meisterin bei den Entscheidungen zur Seite stand. In der Urkunde aus dem Jahre 1163 wurde bestimmt, dass der Abt von Arnstein der alleinige Herrscher zu Beselich sein sollte.

In das Beselicher Kloster dürften, so sagen es jedenfalls die Urkunden, fast ausschließlich adelige Frauen eingetreten sein. Dies lässt darauf schließen, dass das Kloster einen sehr guten Ruf hatte. Im Jahre 1298, also etwas über hundert Jahre nach der Klostergründung, sah sich der Abt von Arnstein sogar gezwungen, eine „Eintrittsgebühr“ von 30 Mark zu erheben, um einer Überfüllung des Klosters mit solch drastischen Mitteln vorzubeugen. Ein unbekannter Verfasser vertritt im Kirchenkalender Limburg aus dem Jahre 1938 die Meinung, dass der mächtige Einrich-Gaugraf Ludwig III. von Arnstein, der selbst in ein Kloster eingetreten war, das Beselicher Kloster für die Töchter seiner reichen Standesgenossen hätte errichten lassen. Dies solle er auch bei anderen Klostergründungen wie Enkenbach, Mariental, Gummersbach und Brunnenburg im Lahntal getan haben.


Wir können also davon ausgehen, dass das Kloster Beselich sehr reich gewesen sein Muss. Zum einen durch die Mitgiften der adeligen Schwestern, zum anderen durch so genannte Seelengedächtnisse. Reiche Bauern und Adelige der näheren und weiteren Umgebung vermachten dem Kloster testamentarisch Äcker oder gar ganze Höfe und machten den Schwestern zur Auflage, dass jährlich an ihrem Todestag ein besonderer Gottesdienst für ihr Seelenheil gefeiert wurde. Diese Stiftungen, die dem Kloster Beselich immens große Besitzungen einbrachten, waren so zahlreich, dass die Schwestern ein eigenes „Seelenbuch“ führen mussten, um keines der Jahresgedächtnisse zu vergessen.


Durch diese Schenkungen besaß das Kloster Beselich in sehr vielen Orten unserer Heimat Besitzungen, Zehnten und ganze Höfe.
Um nur die wichtigsten zu nennen, so in: Obertiefenbach, Niedertiefenbach; Schupbach, Heckholzhausen, Steinbach, Meilingen (wohl Hintermeilingen), Ober- und Niederweyer, Dehrn, Hasselbach, Lahr, Eschenau (Klostermühle!), Hofen, Schoe (Wüstung Schuy zwischen Ober¬tiefenbach und Schupbach), Finstern, Wenigshausen, Schweinsfinstern, Haselau, Isenbach, Dernbach, Limburg, Langwiesen, Gaudernbach, Schadeck, Wirbelau, Runkel, Oberzeuzheim (besonders großer und wichtiger Klosterhof) und Seelbach. Und schließlich, als besonderen Leckerbissen, besaß das Kloster Beselich weitläufige Weinberge in Aumenau an der Lahn. Viele dieser Orte gibt es heute nicht mehr. Einige kennt man lediglich noch als Flurnamen.

Im Jahre 1288 rückt unser Beselicher Kloster in das Rampenlicht der damaligen Weltpolitik. Es ging um die Schlichtung eines sehr hart geführten Streites zwischen den gräflichen Familien von Runkel und Westerburg. Neben vielen Persönlichkeiten der damaligen Zeit weilte der spätere König der Deutschen, Graf Adolf von Nassau, im Beselicher Kloster.

In der Mitte des 15. Jahrhunderts kündigt sich im Kloster der langsame Verfall an, äußerlich ausgelöst durch einen Überfall, bei dem das Kloster in Schutt und Asche gelegt wurde. Als einzige Schwester soll nach einem Protokoll, welches am 28. August 1487 im Pfarrhause zu Lahr im Westerwald niedergelegt wurde, Agnes Hube von Hattenstein den grausamen Überfall überlebt haben. Aber das Kloster war auch schon länger durch den Verfall der Sitten im Kloster bedroht. Es wurde nun einige Zeit überlegt, das Kloster in ein Männerkloster umzuwandeln. Man entschied aber schließlich, das Kloster wieder neu aufzubauen und mit Schwestern des Prämonstratenserinnenklosters Gummersbach neu zu besiedeln.

Im Verlauf des 16. Jahrhunderts, in dem versucht wurde, das Kloster im Sinne der protestantischen Lehre zu reformieren (aber ohne jeglichen Erfolg bei den Schwestern, da dieses sich strikt weigerten, ihren katholischen Glauben aufzugeben), kam es immer häufiger zu Streitigkeiten, die schließlich zur Aufhebung des Klosters um das Jahr 1600 führten. Von den Schwestern ist folgender Ausspruch urkundlich überliefert:
„Sie wollten sich eher zerreißen lassen, als von dem Pfaffen uf eine andre als katholische Religion bringen lassen“. Nach der Aufhebung des Klosters durch den Landesherren wurden die Klostergebäude zunächst in ein Landeshospital umgewandelt, von dem heute noch das Beselicher Hofhaus vorhanden ist.

Nach einem Besitzwechsel zwischen Runkel und Hadamar entstand um das Anwesen auf dem Beselicher Kopf ein scharfer Streit zwischen den Jesuiten (denen Nassau-Hadamar Beselich zugedacht hatte) und den Prämonstratensern, der aber schließlich in Rom zugunsten der Jesuiten entschieden wurde. Auch der Erzbischof von Trier versuchte, Rechte geltend zu machen. Die Entscheidung zugunsten der Jesuiten hing entscheidend von der Einflussnahme des Grafen und späteren Fürsten von Nassau-Hadamar ab, der dann im Jahre 1637 Beselich den in Hadamar residierenden Jesuiten überließ. Diese betrieben nämlich auf Befehl des Grafen Johann Ludwig von Nassau-Hadamar die Rekatholisierung im Hadamarer Land. Die Jesuiten hatten aber zu keiner Zeit den Plan, Beselich wieder als Kloster zu nutzen, sondern sie benutzen es lediglich als Steinbruch für den Bau ihrer Residenz in Hadamar.
Durch ständige Anfeindungen, vor allem aus der evangelisch gebliebenen Herrschaft Runkel, der Vorenthaltung ihrer Rechte aus dem umfangreichen Landbesitz, sahen sich die Jesuiten dann schon 1656 gezwungen, Beselich wieder an das Haus Nassau-Hadamar zu veräußern. Das Haus Nassau-Hadamar wandelte dann das Kloster Beselich in sein Famile´ngut und dann in einen Erbleihhof um. Später fielen die umfangreichen Besitzungen des Klosters Beselich an den Nassauischen Zentralstudienfonds.

Was blieb vom Kloster? Ein paar Steine von der Klosterkirche und ein paar Urkunden, die zum größten Teil aber nur von den Klostergütern handeln.

Vielleicht wäre die einstige Klosterstätte völlig vergessen worden, wenn nicht der Eremit Leonhard Niederstraßen auf dem Beselicher Kopf 1763 eine Eremitage und Kapelle errichtet hätte, die 1767 auf den Titel „Maria Hilf und zu Ehren der 14 Nothelfer“ benediziert wurde, und damit die Tradition des Klosters Beselich und der Schwestern fortsetzte. Niederstraßen setzte mit dem Bau der Einsiedelei und der Wallfahrtskapelle die religiöse Tradition, die Prämonstratenserinnen hier in Beselich begründet hatten, fort.
Aus der Geschichte der Eremitenbewegung des 18. Jahrhunderts wissen wir, dass Einsiedler ganz bewusst ihre Eremitagen an früheren Klosterstätten errichteten, die nach den Wirren der Reformation und Gegenreformation ja keine Seltenheit waren. Sie wollten damit das religiöse Leben an den Stätten wieder neu aufleben lassen. Auch Niederstraßen stand in dieser wichtigen Tradition und hat bewusst an der ehemaligen Klosterstätte seine Kapelle gebaut.

Quellen und Literatur:
Georg Wagner:
Kloster- und Wallfahrtsstätte Beselich, Wiesbaden-Dotzheim 1935. Reprint des Verein zur Erhaltung der Klosterrunine Beselich e.V., Beselich 1985 (vergriffen).

Markus Graulich und Christof W. Martin:
Zur Geschichte der Kloster- und Wallfahrtsstätte Beselich, in: Beselicher Schriften, Nr. 10, 7. Jahrgang (1997).

Markus Graulich und Christof W. Martin:                                       Verschiedene Abhandlungen zur Geschichte der Kloster- und Wallfahrtsstätte Beselich. In: Beselicher Schriften, Ausgaben 1 – 9 (1985 bis 1993).