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Die Herleitung des Ortsnamens Beselich kommt von Basilius

In einem Vortrag aus Anlass des 30jährigen Bestehens des "Verein zur Erhaltung der Klosterruine Beselich e.V." vor zwei Jahren, hat Vorstandmitglied Norbert Bandur die oft behauptete Herleitung des Namens Beselich von dem lateinischen Wort Basilica infrage gestellt. Wenn die Herleitung von Basilica käme, so Bandur, müsste der Ortsname Beselich in der Gründungzeit des Klosters dieser Bezeichnung noch am ähnlichsten gewesen sein. Dies ist aber nicht der Fall, denn bereits in einer Urkunde aus dem Jahre 1163, in der Erzbischof Hillin von Trier die Schenkung einer Ägidiuskapelle und den gesamten Zehnten des Hofes in Beselich an das Kloster Arnstein bestätigt, wird Beselich mit Beslich benannt. In einer weiteren Urkunde aus dem Jahre 1197 wird die Bezeichnung Bisselechverwendet.

 

Zunächst ging Bandur in seinem aktuellen Vortrag im Pfarrheim Alte Schule in Obertiefenbach der Frage nach, warum der Name Beselich so lange fälschlicherweise vom griechisch-römischen Wort Basilica hergeleitet wurde. Den ersten Hinweis gibt der Obertiefenbacher Lehrer Georg Wagner, nach dem eine Straße in Obertiefenbach benannt ist in seinem Buch "Kloster- und Wallfahrtsstätte Beselich" aus dem Jahre 1935. Er verweist auf den im Jahre 1617 verstorbenen Jesuiten und Geschichtsschreiber Christoph Brouwer. Dieser behauptet in einem seiner Werke, dass die Kapelle anfangs den Namen Basilika trug, woraus Baselik, Beselich entstanden sein soll. Aber schon Wagner hatte an dieser Darstellung gewisse Zweifel, ohne weiter auf das Thema einzugehen. Außer Beselich im Kreis Limburg Weilburg gab es auch noch das Kloster Besselich bei Vallendar und heute noch den Ort Besslich bei Trier, der bereits in Jahre 925 in einer Urkunde mit Bessilich bezeichnet wird.

 

Nach weiteren eigenen Recherchen wandte sich der Klosterverein mit finanzieller Unterstützung der Volksbank Schupbach an den bekannten Namensforscher Prof. Dr. Jürgen Udolph in Leipzig. Zum einen ist nach Auffassung des Experten der Name Basilika im deutschen Sprachgebiet relativ spät bezeugt, zum anderen liegt die Zeit der Klostergründung und Erstbenennung zeitlich vor dem Bau der ersten Basilika auf dem Klostergelände, wenn man die kleine Ägidiuskapelle einmal außer Acht lässt.

 

Wie aber ist der Ortsname Beselich in seinen Ursprüngen entstanden? Prof. Udolph geht davon aus, dass der Name auf die ursprüngliche Form Bassiliacum zurückgeht. Dieser Name  setzt sich aus dem Stamm- oder Basiswort Bassil- und der keltisch-lateinische Endung iacum zusammen. Im vorliegenden Fall ist im Basiswort Bassil- der Rufname Basilius enthalten. Die Endung -iacum bzw. -acum diente der Bildung von Personen-, Völker- und Ortsnamen und war eigentlich in erster Linie westlich des Rheins und in den angrenzenden Regionen Belgiens, Luxemburgs und im Nordosten Frankreichs verbreitet. In der deutschen Sprache entwickelte sich daraus die Nachsilbe -ach, -ech oder -ich. Letzteres trifft für Beselich zu. Daraus ergäbe sich in diesem Fall Bassilich. Das ist dem Ortsnamen Beselich schon sehr ähnlich. In althochdeutscher Zeit veränderten sich die ersten beiden Umlaute "a" und "i" noch zu "e. Das Ergebnis war Besselich. Somit dürfte die Herleitung des Ortsnamens Beselich und ähnlicher Ortsnamen nachvollziehbar geklärt sein. Die Verwendung dieses Namens östlich des Rheins dürfte der damaligen Zugehörigkeit zum Erzbistum Trier (Erzbischof  Hillin von Trier) geschuldet sein.

 

Der griechisch-lateinische männliche Rufname Basilius ist also der Namensgeber für die Kloster und Wallfahrtsstätte auf dem Beselicher Kopf. In der katholischen Kirche, so Bandur, geht der Name auf den hl. Basilius von Caesarea zurück. Er wurde im Jahre 330 geboren und starb eben dort im Alter von nur 49 Jahren. Schon zu Lebzeiten war er als Basilius der Große bekannt. Basilius war als Asket, Bischof und Kirchenlehrer eine der herausragenden Gestalten im Christentum des 4. Jahrhunderts und zählt zu den bedeutendsten Gestalten der Kirche überhaupt. Er hinterließ der Kirche ein reiches Erbe auf mehr als einem Gebiet.

 

Nach der anschließenden Diskussion überreichte der Vorsitzende des Vereins zur Erhaltung der Klosterruine Beselich, Christof Martin, Bürgermeister Franz die in Geschenkpapier verpackte Originalexpertise von Prof. Udolph. Der Bürgermeister versprach sie in den Gemeindetresor einzuschließen, um sie der Nachwelt zu erhalten. Vorstandmitglied Wolfgang Konhäuser von der Schupbacher Volksbank lobte die bemerkenswerte Arbeit des zahlenmäßig kleinen Vereins und übergab zur weiteren finanziellen Ünterstützung der Vereinsarbeit einen Scheck an den Vorsitzenden Christof Martin. Norbert Bandur schlug vor bei der Suche nach Straßennamen in künftig zu erschließenden Neubaugebieten auch einmal eine Straße mit Basiliusstraße zu benennen.